Alte Pferde gut und sinnvoll füttern

2020-12-27 12:11:00 / News - Pferdefutter / Kommentare 0

Wenn das geliebte Pferd alt wird, wird es meist etwas ruhiger, die Muskulatur baut langsam ab und das ganze Pferd wird etwas kantiger. Die Kuhlen über den Augen werden tiefer und das Gesicht schmaler.

Nun ist es an der Zeit, sich Gedanken zu machen, wie man den letzten Lebensabschnitt gemeinsam bestmöglich meistert. Pferdesenioren haben etwas ganz Besonderes an sich und sie machen uns noch viel Freude. Allerdings gibt es ein paar Dinge zu beachten, damit sie gesund und munter bleiben bis ins hohe Alter.

Auf was sollten Sie achten bei Ihrem alten Pferd?
Wenn das alte Pferd sich auffallend verändert oder auch an Gewicht verliert, sollte zuerst eine Untersuchung durch den Tierarzt erfolgen, um sicherzugehen, was die Ursache ist.

Es können die Zähne mittlerweile so abgenutzt sein, dass der Senior Heu und Kraftfutter nicht mehr so gut mahlen und damit auch nicht mehr so gut verwerten kann. Dies sieht man auch oft an einem schmaler werdenden Gesicht, da die Kaumuskulatur abbaut an den Ganaschen. Die Senioren sind dann seitlich am Kopf eingefallen und die Knochen stehen deutlicher hervor.

Aber natürlich könnten auch Parasiten oder eine Erkrankung der Grund für das Abbauen sein. Dies sollte immer, wenn Auffälligkeiten zutage treten, mittels Blutuntersuchung und Kotprobe untersucht werden.
Sollte Ihr altes Pferd Cushing, EMS oder eine andere Erkrankung haben, so ist eine Futterumstellung unvermeidlich. Genauso auch bei nicht mehr voll funktionstüchtigen Zähnen.

Wie sieht eine Futterumstellung für dünne Pferdesenioren aus?
Hier einmal kurz das Wichtigste zusammengefasst:

1. Raufutter
Sind die Zähne die Ursache, so sollten Sie nun schnellstmöglich Teile oder wenn nötig auch die komplette Heuration durch einweichbares Raufutter ersetzen. Heucobs oder ein ähnliches einweichbares Ersatzprodukt wie Wiesenfasern sind hier das Futter der Wahl.

Pferde benötigen, um gesund zu bleiben, mindestens 1,5 kg Raufutter pro 100 kg Körpergewicht. Das muss auch bei den Senioren gewährleistet sein, bei denen man lieber 2 kg pro 100 kg Körpergewicht ansetzt wegen schlechterer Futterverwertung.

2. Kraftfutter
Wenn die lebenswichtige Raufutterversorgung geklärt ist, sollten Sie im Anschluss unbedingt auch an der Kraftfutterfütterung ansetzen. Meist reicht alten Pferden Raufutter alleine nicht, vor allem nicht im Winter und bei robuster Haltung.

Zu viel Getreide in der Ration schadet aber dem alten Stoffwechsel der Pferde eher, deshalb sollte nicht einfach die Getreideration immer weiter erhöht werden, wenn der Senior abnimmt.

Ebenfalls ist auf hydrothermisch aufgeschlossenes Getreide zu achten, wie es in vielen Seniormüslis auch enthalten ist. Dies ist leichter verdaulich und belastet somit den Stoffwechsel und den Darm der Senioren weniger. Gleichzeitig kann es viel besser verwertet werden.

Auch ist bei den Pferden, die nicht mehr gut kauen können, darauf zu achten, dass das Seniormüsli einweichbar ist. Dies erhöht ebenfalls die Futterverwertung um ein Vielfaches.

Eine ungeeignete Fütterung kann die Organe und den Stoffwechsel stark belasten, sodass die Pferde weiter abbauen und es sogar zu gesundheitlichen Problemen kommen kann.
Dies gilt umso mehr für Pferde mit Cushing oder EMS, die kein Getreide fressen sollten, damit die Erkrankung sich nicht verschlimmert und Hufrehen auslöst.

Was ist also zu beachten?
Beim ansonsten gesunden alten Pferd auf möglichst viel Weidegang achten, denn Gras kann oft noch sehr viel besser gefressen werden.
Das Pferd muss allerdings zu den Futterzeiten genug Ruhe haben, um die großen Portionen eingeweichten Futters fressen zu können.
Es ist daher zum Fressen von der Herde zu separieren. Oft sind die Senioren darüber auch nicht unglücklich und fressen bedächtig ihre Mahlzeit und nutzen die Ruhepause auch für ein Nickerchen.

Sollte Ihr Pferd einen Befund wie Cushing haben, so darf es kein Getreide oder Gras bekommen. Hier sollten Sie mit dem behandelnden Tierarzt sprechen und neben der Gabe von Raufutterersatz wie Heucobs die Energie in der Ration durch eine langsame Anfütterung mit Öl erhöhen. Auch getreidefreies Mash und weitere Futtermittel wie Reiskleie und Sojaextrakionsschrot helfen genug Eiweiß für den Erhalt der Muskulatur bereitzustellen.

Ein Pferd mit EMS darf gar keine Energie zu viel bekommen und sollte allein mit Raufutterersatz gut eingestellt werden. Reicht das nicht aus, ist eine enge Absprache mit dem behandelnden Tierarzt zu halten.

Grundsätzlich für alle eignen sich mehrere Fütterungen über den Tag verteilt in kleineren Mengen am besten. So wird die Futteraufnahme optimiert und der Pferdemagen nicht überlastet. Dieser ist auf die stetige Aufnahme kleinerer Futtermengen eingerichtet und hat deshalb kein großes Fassungsvermögen.

Allerdings ist dies in einem normalen Pensionsstall eher schwierig umzusetzen, sodass bei gesunden Pferden Weidegang sehr hilfreich ist, um lange Fresspausen der alten Pferde zu vermeiden.
Ansonsten helfen vielleicht Miteinsteller bei den Fütterungen oder der Stallbesitzer gegen einen Aufpreis.

Auch ein Blick auf sogenannte Renterställe kann sich lohnen, sofern sich einer in Ihrer erreichbaren Nähe befindet. Hier wird alles für die Senioren getan und auch der Aufwand der Breifütterung ist hier eingeplant.


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