Es scheuert und schubbelt - Juckreiz beim Pferd

2020-12-21 19:57:00 / News - Pferdefutter / Kommentare 0

Starker Juckreiz beim Pferd ist sehr einfach zu erkennen: Das Pferd kommt nicht zur Ruhe, es scheuert sich an Weidepfählen, Tränken oder der Boxenwand, stampft mit den Hufen und schlägt mit dem Schweif. Die Haut ist gereizt und rot, in extremen Fällen kratzt sich das geplagte Pferd bis aufs Blut. Subtilere Anzeichen sind Stellen mit dünner werdendem Fell, wildes Abstehen von Mähnen- oder Schweifhaar oder auch Fellreste an beliebten Scheuerstellen. Juckreiz ist immer ein Alarmsignal und kann viele Ursachen haben.
Um Verletzungen zu vermeiden sollten scharfe Gegenstände aus dem Stall und von der Koppel entfernt werden, da Pferde bei starkem Juckreiz auch vor Selbstverstümmelung nicht haltmachen. Dann gilt es, die Ursache herauszufinden und zu behandeln.

Insektenstiche
Die Stiche von Pferdebremsen, Bienen oder Wespen können wie bei uns Menschen starke Rötungen und Juckreiz hervorrufen. Das Jucken konzentriert sich auf eine oder mehrere Stellen, an denen oft Schwellungen sichtbar sind. Ist das Pferd nicht allergisch reicht die Behandlung mit Juckreiz lindernden Cremes, Kräuterauszügen oder ätherischen Ölen aus. Auch das Kühlen der Stiche schafft schnelle Linderung.
Vorbeugend können Abwehrsprays, Fliegendecken und Fliegenmasken eingesetzt werden, auch Bremsenfallen auf der Weide und am Stall können die Anzahl der nervigen Insekten dezimieren.

Parasiten
Läuse und Haarlinge halten sich bevorzugt im Bereich der Mähne und des Schweifes auf, wo sich Läuse von Blut und Haarlinge von Haaren und Schuppen ernähren.
Erste Anzeichen für einen Befall sind meist Jucken und Unruhe. Flöhe und Haarlinge kann man meist mit bloßem Auge im Fell oder beim Ausbürsten erkennen. Haarlinge sind bis zu 1,8 mm lang und haben einen hellgelben, breiten Körper. Läuse sind etwas größer, und ebenfalls gelblich. Beim Scheiteln des Fells sind außerdem die Eier und Nissen (leere Eihüllen) erkennbar, die an den Haaren kleben.
Die Behandlung erfolgt durch Waschungen, Puder oder Spot-On Präparate. Zusätzlich können erwachsene Tiere und Nissen durch das Kämmen mit einem engmaschigen Kamm entfernt werden. Die Behandlung sollte, je nach Mittel, nach ca. 10 Tagen nochmal wiederholt werden, um die neu ausgeschlüpften Parasiten zu erwischen.

Milben sind winzige Spinnentiere, die sich auf dem Pferd einnisten und Hautprobleme und Juckreiz auslösen. Die Behandlung erfolgt durch den Tierarzt mit Medikamenten innerlich und Waschungen äußerlich. Da Milben auch außerhalb des Pferdes für mehrere Woche überlegen können ist die Desinfektion von Putzzeug, Decken und Kleidung des Pferdehalters essentiell, um eine erneute Ansteckung zu vermeiden.

In engen Ställen und bei Feuchtigkeit suchen Lästlinge besonders gern das warme Pferdefell auf, so dass ein Befall häufig im Winter auftritt, wenn die Pferde weniger auf die Weide kommen und eng beieinander im Stall stehen. Die Übertragung von Pferd zu Pferd kann während dieser Zeit besonders schnell erfolgen. Wird bei einem Pferd ein Befall nachgewiesen sollten daher alle Pferde im direkten Umfeld untersucht und bei Bedarf behandelt werden.

Ein Scheuern der Afterregion und der Schwanzrübe kann auch ein Anzeichen für einen Wurmbefall sein. Über eine Kotanalyse können die Würmer identifiziert und gezielt behandelt werden.

Allergien
Pferde können auf viele Dinge allergisch reagieren. Treten auf einmal Symptome wie Juckreiz oder Nesselsucht auf, kann eine Allergie vorliegen. Diese kann zum Beispiel an einem neuen Pflegemittel, einer neuen Lederpflege für den Sattel, einem Futtermittel oder der Einstreu liegen. Prüfen Sie, ob sich in der letzten Zeit im Umfeld des Pferdes irgendetwas geändert hat. Neben dem Ausschalten des Auslösers können die betroffenen Stellen symptomatisch gegen Juckreiz behandelt und mit Ölen oder Cremes gepflegt werden.

Das Sommerekzem ist eine allergische Reaktion auf den Stich bzw. das dabei abgesonderte Sekret der Kribbelmücke. Es können Pusteln, offene und kahle Stellen auftreten, häufig im Bereich von Mähne und Schweif. Um das Pferd möglichst vor Stichen zu schützen können Ekzemerdecken, Abwehrsprays und Futterergänzungen eingesetzt werden, die das Pferd für die Mücken unattraktiver machen. Gleichzeitig sollte der Juckreiz mit Cremes oder Shampoos gelindert werden.

Pilzbefall
Hautpilze treten vor allem in der kalten Jahreszeit und während des Fellwechsels auf. Sie sind häufig gekennzeichnet durch runden Haarausfall, das Pferd sieht aus als wäre es von Motten zerfressen. Hautpilze sind ansteckend für andere Pferde und einige können auch auf den Menschen übertragen werden. Ein feucht-warmes Klima als idealer Nährgrund für Pilze bildet sich in der Sattel- und Gurtlage sowie unter Decken, entsprechend sind diese Stellen besonders häufig betroffen. Auch im Kopf- und Schulterbereich siedeln sich Pilze gern an. Die Behandlung erfolgt durch antimykotische Lotionen oder Shampoos vom Tierarzt, und kann durch eine zusätzliche Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen unterstützt werden. Boxen, Putzzeug, Decken und Sattelzeug sollten desinfiziert, gewaschen oder mit pilztötenden Mitteln behandelt werden.

Sekundärinfektionen und Hautpflege
Durch das Jucken und Aufscheuern der Haut können Entzündungen entstehen. Diese können auch nach Behandlung der Symptome noch Probleme und Juckreiz erzeugen und sollten ebenfalls durch regelmäßiges Waschen, Desinfizieren und das Auftrage von Wundsalbe behandelt werden. Empfindliche, trockene Hautstellen können mit pflegenden Cremes wie Ringelblumensalbe oder Aloe Vera vor weiteren Schäden geschützt werden.

Die beste Vorsorge gegen alle Hautleiden sind eine ideale Fütterung und Haltung mit ausreichend Bewegung und frischer Luft. Pferde mit einem starken Immunsystem haben Parasiten, Pilzen und Co. einiges entgegen zu setzen und erkranken deutlich seltener.


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